Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Bereichsnavigation

Hauptinhalt

Forschung

Die Forschung auf dem Gebiet des Baubetriebs und des Bauprozessmanagements gründet sich auf Transferleistungen von Grundlagenforschung auf den Bauprozess unter gleichzeitiger Integration unterschiedlicher Grundlagenfächer, interdisziplinärer Fächer (z.B. Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Statistik, Logistik, Maschinenbau) und unter Beachtung aktueller Randbedingungen und Marktentwicklungen in der Bauwirtschaft. Die universitäre baubetriebliche Forschung muss sich dabei an den veränderten und sich stetig verändernden Anforderungen der Baupraxis orientieren und daher markt- und branchenorientiert weiterentwickelt werden und eine deutliche interdisziplinäre Prägung erhalten. Deutliche Impulse für vielfältige Forschungskonzepte ergeben sich aus dem tiefgreifenden Strukturwandel, in dem die Bauwirtschaft sich derzeit befindet, und den daraus resultierenden erweiterten Anforderungsprofilen an die integrierten Prozessbeteiligten. Dementsprechend liegen die aktuellen und zukünftigen Forschungsimpulse des Lehrstuhls Baubetrieb und Bauprozessmanagement in der bauverfahrenstechnischen, organisatorischen, bauwirtschaftlichen und vertragsrechtlichen Optimierung der Projektabwicklung innerhalb des gesamten Lebenszyklus eines Projektes. Dabei sind insbesondere die Forschungsfelder Vertrags- und Nachtragsmanagement, Baurecht, Nachhaltigkeit, Building Information Modeling und 5-D-Planung von Relevanz.

Obwohl sich die Bauaufgaben funktional, technisch, wirtschaftlich und organisatorisch zunehmend komplexer gestalten, hat die Entwicklung und Umsetzung der Wettbewerbs- und Vertragsmodelle in der Bauwirtschaft diesem Trend nur unzureichend Rechnung getragen. Die traditionelle Trennung der Planung von der Bauausführung ist mit dem Nachteil behaftet, dass bei Projekten mit hohem Komplexitäts- oder Innovationsgrad eine Beschreibung oftmals nicht in der geforderten Qualität möglich ist – oder zu einer frühzeitigen Einschränkung der Lösungsvarianten führen würde. Mit partnerschaftlichen Vertragsmodellen werden durch die frühzeitige Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten im Rahmen einer sogenannten Preconstruction-Phase Chancen für erhebliche Effizienz- und Innovationsvorteile geschaffen. Durch die Know-how-Bündelung der Akteure und die gemeinschaftliche Ausrichtung auf die gemeinsamen Projektziele können technische Innovationen umgesetzt und so Bau- und Nutzungsqualität optimiert werden. Eine damit einhergehende interdisziplinäre Entwicklung und Beschreibung des Bausolls durch partnerschaftliche Kooperationen vermeidet unproduktive Kosten und Nachträge und optimiert die Projektplanung budgetgerecht. Ziel der Forschung ist es, die Möglichkeiten zur Implementierung innovativer Wettbewerbsmodelle zu untersuchen und Leitlinien zur Gestaltung von Vertragsmodellen und Vergabeverfahren zu formulieren.

Die Abwicklung von Bauverträgen ist unter verschärften Wettbewerbsbedingungen am Baumarkt zunehmend durch Konflikte zwischen den Vertragsparteien geprägt, die häufig nicht zeitnah von den Parteien zu einer Lösung gebracht werden können, weil das geltende Bauvertragsrecht hierfür kein adäquates Instrumentarium bereithält. Den Vertragsparteien bleibt daher oft nur der Klageweg vor einem ordentlichen Gericht oder einem Schiedsgericht, um ihre vertraglichen Ansprüche durchzusetzen. Dieser Weg ist jedoch mit hohem Zeitaufwand verbunden und es entstehen den Parteien meist erhebliche Streitkosten. Zudem lassen sich die Erfolgsaussichten im Vorfeld eines Prozesses wegen juristisch und technisch-baubetrieblich komplexer Streitgegenstände oft nur unzureichend abschätzen. Vor diesem Hintergrund liegen wesentliche Potenziale für eine Effizienzsteigerung der Bauvertragsabwicklung in der Entwicklung und Implementierung von Modellen zur außergerichtlichen Konfliktlösung. Die zentrale Aufgabe liegt hierbei darin, baubetrieblich sinnvolle und rechtlich nachhaltige Regelungen für eine zügige, vertragsgerechte, technisch und baubetrieblich optimale Bewältigung von Konfliktsituationen zu formulieren und in die Projektorganisation einzubinden.

In der Praxis ist die Abwicklung von Bauverträgen für beide Vertragsseiten mit zahlreichen Problemen verbunden. Das Ergebnis sind stark volatile Projektergebnisse und hohe Transaktionskosten. Per Vertragsabschluss existiert nur selten eine angemessene Voraussicht auf den Projekterfolg – im Vergleich zu anderen Industriezweigen ist die ökonomische Effizienz der Projektabwicklung als suboptimal zu bezeichnen. Auf Grundlage der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ), einem Theoriefeld der Wirtschaftswissenschaften, werden die ökonomischen Grundlagen und Rahmenbedingungen der Bauleistungserstellung untersucht. Ferner werden mit Hilfe der ökonomischen Analyse des Rechts (Rechtsökonomik) die Auswirkungen rechtlicher Regelungen auf die Effizienz wirtschaftlichen Handelns analysiert und hieraus die Hauptstrukturschwächen des Bauvertragsrechts zusammengefasst und mögliche Lösungsansätze hergeleitet, die in ein dem Charakter des Bauvertrags als Unvollständigem Vertrag angemessenes Regelungssystem integriert werden.

Aus der Perspektive der Bauwirtschaft werden Optimierungen des Prozessmanagements in der Planungs-, Bauausführungs- und der Betriebsphase, d.h. im gesamten Lebenszyklus einer Immobilie, als wesentliches Zukunftspotential gesehen, die zu erheblichen Kostensenkungen bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung beitragen und darüber hinaus Kostensicherheit und Beherrschung der Planungs- und Bauprozesse gewährleisten kann. Dies gilt insbesondere für den Betrieb der Immobilie mit den darin enthaltenen Modernisierungs- und Bauerhaltungsmaßnahmen. Die dafür notwendige Anpassungsintelligenz wird von den originären Anforderungen aus den Produktlebenszyklen und zusätzlich von immer mehr in den Vordergrund tretenden Nachhaltigkeitsanforderungen an Immobilien geprägt. Eine durchgängige Projektabwicklung mit Hilfe des Building Information Modeling (BIM) an einem einheitlichen Gebäudemodell und die damit einhergehende Tatsache, dass BIM die Nutzung der Modelldaten für alle Projektbeteiligten über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht, sind damit die relevanten Erfolgsfaktoren. Um diesen Einfluss auf die Anpassungsflexibilität bewerten zu können, wird die 3D-Planung durch die Zeit als vierte Dimension ergänzt, so dass die baulichen Maßnahmen im Hinblick auf ihre terminlichen Abläufe und Abhängigkeiten betrachtet werden, um daraus resultierende einschränkende Rahmenbedingungen erkennen zu können. Als fünfte Dimension werden Daten- und Prozessanbindungen der Kalkulation, das Erfassen von Ist-Werten, die Abrechnung und das Hinterlegen von Informationen für Inbetriebnahme und Wartung miteinander verknüpft. Im Bauwesen steht damit der Begriff der 5-D-Planung im dynamischen und komplexen Umfeld für eine modellbasierte, objektorientierte und integrative Planung und Fertigung einer Immobilie. Ziel ist es hierbei entsprechende Werkzeuge für eine interdisziplinäre Planung zu entwickeln. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Inpro - Open Information Environment for Knowledge-Based Collaborative Processes throughout the Lifecycle of a Building“, ein Förderprojekt der Europäischen Kommission im 6. EU-Rahmenprogramm mit 18 europäischen Kooperationspartnern, sind dazu bereits wesentliche Grundlagen und Forschungsansätze gelegt worden.

 

Als Gründungmitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. gehört der Lehrstuhl Baubetrieb und Bauprozessmanagement zu einen der ersten baubetrieblichen Lehrstühle im deutschsprachigen Raum, der sich mit den Themenkomplexen Nachhaltiges Bauen und Zertifizierungssysteme beschäftigt hat. Neben den originären energetischen und technischen Aspekten der Nachhaltigkeit von Immobilien ist ebenso die gesamte Produktionskette mit den darin enthaltenen Bauprozessen und Bauverfahren nachhaltig zu gestalten. Dies beinhaltet als baubetriebliche Forschungsfelder einerseits ressourcenschonende Produktionsfaktoren und CO2-Vermeidung im Rahmen des Bauproduktionsprozesses und zum anderen die Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in die Ausschreibungs- und Vergabeprozesse.


lehr und forschungsfelder verkleinert